Schlag auf Schlag – die Faszination des Boxens

Die Welt des Boxens ist vielseitig. Denn die physische und mentale Intensität und Härte des Boxens formen den Körper und Geist eines Sportlers wie kaum eine andere Sportart.

Ich schaue auf die Uhr. Nur noch 20 Minuten bis zum Kampf. Dieser Kampf ist wichtig, sogar sehr wichtig. Langsam merke ich, wie aufgeregt ich eigentlich bin. Aber das ist gut. Nur so kann ich mich auch wirklich konzentrieren. Mein Blick geht wieder auf die Uhr. Nur noch 18 Minuten. Langsam muss ich mich bereit machen. Die Minuten, bevor mein Trainer mich abholt, sind die schlimmsten. Ich laufe in der Kabine auf und ab und versuche, mich auf mein Ziel zu fokussieren. Meine Hände werden zittrig und fangen an zu schwitzen. Mein Trainer klopft an die Tür. Mir stockt der Atem, und mein Herz hört kurz auf zu schlagen. „Los geht’s!", höre ich nur. Ich werfe meinen Mantel über und schnappe mir meine Handschuhe.

 

Wusstest du, dass der Mantel früher belächelt wurde? Er erinnerte zunächst sehr an einen Bademantel. Erst durch hochwertige Stoffe wie Seide und auffällige Farben wie Rot erhielt der Mantel mehr Akzeptanz. Heute ist er ein Kultobjekt – nicht nur im Boxsport.

 

Wusstest du, dass die Boxhandschuhe früher mit Rosshaar, Watte und Kleiderresten befüllt waren? Heute bestehen sie aus weichem Kunststoffschaum. Dieser dämpft Schläge besser ab, außerdem ist das Material langlebiger. Übrigens waren bis zu den Olympischen Spielen 1992 alle Boxhandschuhe noch zum Schnüren. Erst 1992 brachte der Gründer von „Top Ten" einen Handschuh auf den Markt, der mit einem Klettband geschlossen wird.

 

Je mehr wir uns der Arena nähern, umso weicher werden meine Knie. An der Eingangstür redet mir Rod, der Türsteher, nochmals gut zu. Die Worte nehme ich teilweise gar nicht mehr wahr. Als die Tür aufgeht, höre ich nur noch das Klatschen und Brüllen der Menschenmengen auf den Rängen. Mein Weg zum Ring ist beleuchtet. Dennoch habe ich jedes Mal Angst zu fallen. Die Fans schauen mich mit erwartungsvollen Augen an. Das gibt mir Kraft. Ich werde nicht versagen. Zeit, um für Fotos zu posieren oder Autogramme zu verteilen, hat man in diesem Moment nie. Trotzdem sehe ich die Kameras blitzen und die Fans mit Autogrammkarten winken. Am Ring bespricht der Trainer nochmals die Ziele mit mir. Im Kopf gehe ich aber nur noch meine eigene Taktik durch. Meinen ersten Blick auf den Gegner werfe ich meistens erst im Ring, da ich mich zuvor nur auf mich konzentriere. Mein Mantel fällt von meiner Schulter. Schnell schlüpfe ich in meine Boxhandschuhe. Ich trinke noch einen Schluck und steige in den Ring. Im Hintergrund höre ich, wie der Schiedsrichter zum Publikum spricht. Jetzt ist mein Fokus allein auf meinen Gegner gerichtet. Ich beobachte genau, was er tut. Das Publikum wird leise. „READY TO RUMBLE". Ich höre nur noch die Glocke läuten und lege los …

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Der legendärste Boxkampf der Geschichte

Am 30. Oktober 1974 kam es in Kinshasa, im heutigen Kongo, zu dem Duell des Jahrhunderts. Bei dem sogenannten „Rumble in the Jungle" trafen die Profiboxer Muhammad Ali und George Foreman, der zuvor Joe Frazier vom Weltmeister-Thron gestoßen hatte, aufeinander. Foreman war dafür bekannt, dass er seine Gegner bereits in der ersten Runde k. o. schlug. Ali war Foreman körperlich deutlich unterlegen. Daher baute er auf seine Schnelligkeit und verbale Provokation. Foreman führte den Kampf von Anfang an. Ali dagegen hing in den Seilen und steckte die Treffer ein. Doch genau das war seine Strategie. Sein Ziel war es, die Schläge Foremans durch das Hängen in die Ringseile abzufedern. Im Laufe des Kampfes wurde Foreman immer müder und seine Treffer flachten mit der Zeit ab. Dies machte sich Ali, der sich bis zu diesem Zeitpunkt im Kampf zurückgehalten hatte, zum Vorteil. Die legendäre Links-Rechts-Kombination verhalf ihm schließlich dazu, Foreman zu Fall zu bringen. Diese Taktik ging später als „Rope-a-Dope-Strategie" in die Geschichte ein. Ali gewann in Runde acht durch K. o.

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Die Glocke ertönt. Bei mir legt sich ein Schalter um. Plötzlich bin ich unglaublich fokussiert. Ich sehe jede einzelne Bewegung meines Gegners. Analysiere alles, was er tut. Unsere Blicke weichen nicht voneinander ab. Jeder hat den anderen genau im Visier. Meine Fäuste sind in der Abwehr. Am Anfang bewege ich sie nur vor meinem Gesicht. Bevor ich den ersten Schlag ausübe, steigt die Spannung in mir. Mein ganzer Körper steht unter Vollspannung. Dann kommt es zu einem Schlagabtausch. Ich schlage zu, der Gegner schlägt zu. Ich versuche, meine Taktik zu verfolgen. Mache dazwischen Pausen, um mich zu erholen. Das Publikum tobt. Jeder Rang feuert seinen Favoriten an. Diese Energie in der Arena puscht und motiviert zum Weitermachen. Den Kampf erlebe ich wie einen Film. Ich habe nur Augen für meinen Gegner. Alles, was außen rum ist, verschwindet aus meinem Sichtfeld. Selbst die Worte des Schiedsrichters überhöre ich. Jeder einzelne Muskel in meinem Körper ist starr. Starr vor Schmerz, aber auch starr zum Schutz vor neuen Schlägen. Nach jeder Runde zerrt mich mein Trainer in die Ecke. Erst hier wache ich aus meinem Film kurz auf. Ich nehme meine Umgebung wahr und trinke einen Schluck. Mein Trainer redet mir neue Taktiken ein, aber seine Worte rauschen an mir vorbei. Das Publikum feuert weiter an. Sie rufen meinen Namen. Was für ein unbeschreibliches Gefühl. Meine Hände schwitzen vor Aufregung und durch die Anstrengung. Ich ziehe meine Boxhandschuhe aus und tunke meine Hände in Kreide, um einen besseren Grip in den Handschuhen zu bekommen.

 

Wusstest du, dass drei Kampfrichter unabhängig voneinander nach jeder einzelnen Runde bewerten, welcher Boxer in der Runde stärker gekämpft hat? Es ist aber auch möglich, dass nur der Ringrichter den Kampf bewertet, z. B. wenn einer von beiden Boxern k. o. geschlagen wurde.

 

Wusstest du, dass das Wort Ring von dem Kreis kommt, den die Schaulustigen um die Kämpfer bildeten? Das Wort existiert in dieser Form im Englischen schon seit dem 14. Jahrhundert.

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Muhammad Ali – der berühmteste Boxer aller Zeiten

Cassius Marcellus Clay (später Muhammad Ali) wurde 1942 in Louisville, Kentucky geboren. Er ist nicht nur wegen seiner Erfolge und der legendären Fights gegen Foreman, Frazier und Co. in Erinnerung geblieben. Auch wegen seines damals hoch umstrittenen Engagements gegen den Vietnamkrieg und für die radikale Bürgerrechtsbewegung in den USA ist er zur Legende geworden. Als Profiboxer aktiv war Muhammad Ali zwischen 1960 und 1981. In dieser Zeit verzeichnete er 56 Siege, 37 K. o. und fünf Niederlagen. 1960 gewann Clay bei den Olympischen Spielen in Rom die Goldmedaille im Halbschwergewicht. Vor allem aber wurde „The Greatest" als einziger Boxer dreimal unumstrittener Schwergewichtsweltmeister. Da er den Wehrdienst im Vietnamkrieg verweigerte, musste Muhammad Ali seinen Weltmeistertitel 1967 jedoch vor Gericht niederlegen. Zu Beginn der 1970er Jahre erfolgte dann das Comeback. Die großen Kämpfe wie „Rumble in the Jungle" und „Thrilla in Manila" trugen ebenfalls zur Legendenbildung bei. 1981 bestritt er seinen letzten Profikampf. Hier war er schon von der Krankheit Parkinson gezeichnet. 1999 wurde Muhammad Ali von der Sports Illustrated zum „Sportler des Jahrhunderts" gewählt. 2016 verstarb Ali an den Folgen seiner Krankheit.

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Nach langen Runden voller Anstrengung gibt es für mich nichts Schöneres als das Anzählen des Schiedsrichters. Das Publikum fiebert mit und zählt von 10 runter. Es herrscht Begeisterung. Mein ganzer Körper zittert. Ich wache langsam wieder aus meinem Film auf. Ich nehme die tobende Umgebung wieder wahr. Das ist ein unbeschreibliches Gefühl. Der Schiedsrichter nimmt meinen Arm und reißt ihn in die Luft. Was er genau in diesem Moment sagt, weiß ich danach meist nicht mehr. Mein Körper schüttet nur noch Glückshormone aus. Das bewirkt ein sofortiges Lächeln auf meinen Lippen, egal wie anstrengend der Kampf war. Es fällt eine unheimliche Last von mir ab. Ein befreiendes Gefühl. Ich blicke zu meinen Fans und sehe nur begeisterte und freudige Gesichter. Wahnsinn, dass sich so viele fremde Menschen so sehr für einen freuen. Dieses Gefühl kann man nicht in Worte fassen. Auf den Rängen des Gegners ist die Enttäuschung dagegen sehr groß. Aber auch das gehört dazu. Erst dann begreife ich, dass ich gewonnen habe. Mein Trainer flippt aus, und alle aus meinem Team steigen in den Ring. Meist bekomme ich dies alles wie in Zeitlupe mit, da mein Körper mich die vergangenen Anstrengungen nun spüren lässt. Während des Kampfes bin ich unheimlich unter Strom und vollgepumpt mit Adrenalin. Lässt das nach, fangen die Schmerzen an. Ich merke die Stellen, an denen mein Gegner mich erwischt hat. Bei manchen Kämpfen bin ich nach dem K. o. einfach umgekippt vor Anstrengung. Das ist kein schönes Gefühl. Doch die Freude überwiegt. Sie kann den Schmerz für die ersten paar Minuten überdecken.

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